Offener Brief

07.07.2020

 

 

Sehr geehrte Kunden!

Liebe Geschäftspartner!

Liebe Fahrgäste!

Liebe zukünftige Kunden!

Liebe reiselustige Menschen!

 

 

 

Mank, 07.07.2020

 

Als die Corona-Krise Anfang März über uns hereinbrach, kam unser Geschäft sowohl im Reisebüro als auch im Reisebusbetrieb innerhalb weniger Tage völlig zum Erliegen. Eine Storno-Lawine kam schnell ins Rollen und wurde tagtäglich größer und größer. Bis Ende März mussten wir allein € 1,5 Mio. Verlust verkraften.

 

Man konnte live mitansehen, wie sich der gesamte schon erzielte Umsatz, wie das Wasser aus einer löchrigen Gießkanne verflüchtigt. Ende nicht absehbar. Und dieser Prozess ist heute Anfang Juli leider noch nicht vorbei.

 

Man kann folgenden Vergleich heranziehen: Wenn ein Bauunternehmen mit seiner Truppe keine Aufträge mehr bekommt Häuser zu bauen, dann steht die Truppe still. Bei uns im Reisebüro ist es jedoch so, als würden wir, nachdem das Haus eigentlich schon übergabefertig ist, noch einmal auf die Baustelle fahren, das neue Haus auf unsere Kosten niederreißen und dem Kunden – natürlich völlig zu Recht – das Geld zurückgeben. Mehr als die doppelte Arbeit für keinen Umsatz.

 

Wir haben uns im März in der Familie beraten und uns schnell entschlossen ALLE Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für drei Monate in eine Kurzarbeitsphase mitzunehmen. Von Anfang April bis Ende Juni. Wir haben gehofft, dass sich das Geschäft im Sommer wieder stabilisieren könnte. Stattdessen hat sich gezeigt, dass der internationale Tourismus und das Reisebürogeschäft wohl zu jenen Branchen gehören werden, die für die Erholung einen längeren Atem brauchen.

 

Mit den Gesellschaftern, meinem Vater Robert Kerschner und meinem Onkel Reinhard Kerschner, und unserem Führungsteam wurden daher intensiv Pläne geschmiedet, wie wir uns auf diese völlig neue Situation einstellen. Wir kamen zu der Erkenntnis und zu dem Entschluss, dass es besser ist, schnell zu handeln und unsere Strukturen zu überdenken. Leider ist so etwas unweigerlich mit Kündigungen von Mitarbeitern verbunden.

 

Noch nie in der 90-jährigen Geschichte unseres Familienunternehmens mussten wir aus wirtschaftlichen Gründen mehrere Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern entlassen. Diese Entscheidung ist uns wirklich nicht leichtgefallen und tut uns sehr leid. Durch die Corona-Krise mussten wir in unserem Unternehmen 14 Arbeitsplätze abbauen, um die anderen Arbeitsplätze langfristig nicht zu gefährden. Es sind Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus allen Bereichen der Büroorganisation betroffen, bis hin zur Managementebene. Es betraf junge genauso wie ältere und manche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter waren sehr lange im Unternehmen tätig. Fahrerinnen oder Fahrer waren nicht betroffen.

 

Die verbleibenden 95 Personen sind nun weiterhin geschlossen in Kurzarbeit.

 

Mein größter Dank gilt allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die gerade jetzt, wo sie von unseren Kunden am meisten gebraucht werden, ihre Tätigkeit mit großem Einsatz und großer Loyalität zu den Kolleginnen und Kollegen bis zum Ende ihrer Dienstzeit leisten. Das ist für uns alles andere als selbstverständlich.

 

Mein Dank gilt auch jenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die gerade jetzt zu unserem Unternehmen halten und sich damit entscheiden, den Weg durch die Krise gemeinsam mit uns gehen zu wollen. Das ist für uns ein großer Vertrauensbeweis.

 

Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter - vor allem in den Reisebüros - sind durch die Corona-Krise schon mehrfach über sich hinausgewachsen.

Es ist großartig, mit so einem Team zusammenarbeiten zu dürfen!

 

Die Kerschner Reisen GmbH mit allen Tätigkeitsfeldern war seit jeher ein starker, zuverlässiger und Rückhalt gebender Partner in der Region. Das wollen wir auch weiterhin bleiben. Gleichzeitig wollen wir unsere Services weiterentwickeln und Antworten auf die neuen Fragen geben, die wir von unseren Kunden derzeit gestellt bekommen.

 

Wir sind fest verankert in der Region Mostviertel und wir bleiben trotz Filialzusammenlegungen ein regionaler Ansprechpartner, den man im Fall des Falles rasch persönlich aufsuchen kann.

 

Und wir wollen wieder das tun, was wir immer getan haben und am besten können:

 

Wir wollen die Menschen zu ihren Zielen befördern und erreichen, dass sie sich auf der Fahrt an Bord in unseren Bussen besonders wohl und sicher fühlen.

 

Wir wollen den Menschen die Schönheit der Welt ermöglichen und sie vor, während und nach ihrer Reise besonders gut begleiten und sicher wieder nach Hause bringen.

 

Wir werden wohl noch etwas Geduld brauchen, damit wir wieder uneingeschränkt reisen können. Österreich ist heuer hoch im Kurs und wir stehen hier voll dahinter mit speziellen Busreisen und Tagesfahrten. Auch ich persönlich habe meinen Hallstatt-Besuch schon absolviert.

 

Aber ganz ehrlich: Ich bin sehr gerne in Österreich und dankbar in diesem Land leben zu dürfen. An der Donau zum Beispiel gibt es sogar einige Möwen. Die sind wunderschön zu beobachten und die lustigen Schreie erinnern mich an so manchen Aufenthalt in einem fernen Land. Das Meer, den Ozean und die salzige, frische Brise vermisse ich aber jetzt schon. So wie ich mich kenne, dürfte diese Sehnsucht nicht weniger werden. Vielleicht geht es manchen von Ihnen auch so.

 

Bis dahin, alles Gute und gesund bleiben!

 

Herzlichst

Ihr Mag. Richard Kerschner